
Die Grundschule Alkofen-Pleinting, die Grundschule Büchlberg und die Mittelschule St. Georg Vilshofen,erhalten insgesamt 6.000 Euro Preisgeld – gefördert vom Bistum Passau und der Sparkasse Passau.
Wie gelingt es, Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung nicht nur im Unterricht zu behandeln, sondern im gesamten Schulalltag zu verankern? Drei Schulen aus Stadt und Landkreis Passau haben darauf überzeugende Antworten gefunden: Die Staatlichen Schulämter in der Stadt und im Landkreis Passau haben am 01. Oktober 2026 in Salzweg zusammen mit dem Verein „BNE macht Schule. Gemeinsam. Veränderung. Lernen. e.V.“ die Mittelschule St. Georg Vilshofen, die Grundschule Büchlberg und die Grundschule Alkofen-Pleinting mit dem Zukunftspreis der Staatlichen Schulämter in der Stadt und im Landkreis Passau 2026 ausgezeichnet. Die Mittelschule Vilshofen erhält ein Preisgeld von 2.200 Euro wegen ihres besonderen Entwicklungspotenzials, die beiden Grundschulen jeweils 1.900 Euro. Die Preisgelder stellen das Bistum Passau und die Sparkasse Passau zur Verfügung.
Nachhaltige Entwicklung als Aufgabe der ganzen Schule
Der Zukunftspreis wurde 2026 erstmals in neuer Form vergeben. Bewerben konnten sich Schulen vom 15. April bis 15. Juni 2026 mit Beiträgen zu ihren Aktivitäten im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung aus mindestens drei der fünf Handlungsfelder des sogenannten Whole School Approach: Unterrichtsentwicklung, Schulleben, Schulbetrieb, Vernetzung und Kooperation sowie Führung und Management. Die Beiträge wurden auf der neuen Austauschplattform PUSH eingereicht, die in Kooperation mit der Universität Passau im Rahmen des Projekts moreBNE aufgebaut wird. „Alle drei Preisträgerschulen decken mit ihren Einreichungen sämtliche Handlungsfelder ab“ – so Klaus Sterner, Schulamtsdirektor der Staatlichen Schulämter in der Stadt und im Landkreis, der zur Feierstunde in Salzweg einlud. Folgende Schulen wurden ausgezeichnet:
Grundschule Alkofen-Pleinting: Von der Brennnessel bis zum Buchstaben
Die Grundschule Alkofen-Pleinting beeindruckte durch das Zusammenspiel von Naturerfahrung, gemeinsamem Lernen und langfristiger Planung. Rund um die Brennnessel wählen die Kinder jahrgangsgemischt vier von mehreren Workshops selbst aus – sie untersuchen die Pflanze, backen Pfannkuchen, stellen Pflanzenfarben her oder schöpfen Papier. Bei den „Buchstaben-Helden“ entwickeln Erst- und Drittklässler gemeinsam Erklärvideos zum Buchstabenlernen, ausdrücklich auch mit Hilfen für Linkshänder, die künftig anderen Kindern und Eltern zur Verfügung stehen sollen. Bei herbstlichen Pflegeaktionen kümmern sich die Kinder um Hecken und Beete, für den Adventsbasar wird upgecycelt. Kooperationen mit Lehramtsanwärterinnen und -anwärtern, Eltern und Lesepaten, etwa bei der Ramadama-Aktion, sowie Kräuterwanderungen und Theaterbegegnungen öffnen die Schule nach außen. Getragen wird all dies von einem seit Jahren etablierten Vierjahresrhythmus der Schwerpunkte Wiese und Hecke, Wald, Wasser und Nachhaltigkeit – so erlebt jedes Kind im Laufe seiner Grundschulzeit alle vier Themen.
„Eine Brennnessel neu sehen. Einen Buchstaben so erklären, dass ein anderes Kind ihn versteht. Etwas reparieren, statt es wegzuwerfen. In solchen Erfahrungen kann Zukunft beginnen“, fasste Geerd Budelmann, Schulrat und Vorstandsmitglied von „BNE macht Schule. Gemeinsam. Veränderung. Lernen. e.V.“ in seiner Laudatio zusammen.
Grundschule Büchlberg: Whole School Approach als gelebte Praxis
An der Grundschule Büchlberg ist BNE im Leitbild verankert und wird von einer BNE-Steuerungsgruppe und einem Fortbildungskonzept getragen. Beim Projekt „Fair denken, kreativ handeln“ lernen die „Weltfairsteher“ seit vier Jahren, was fairer Handel, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft bedeuten: Aus Milchtüten entstehen Fledermauslaternen, aus Marmeladengläsern Schneekugeln, bei der Herstellung von Bruchschokolade erfahren die Kinder, unter welchen Bedingungen Kakao angebaut wird. Im schuleigenen Lernformat „Freiday“ stellen sich die Kinder selbstgewählten Herausforderungen rund um die 17 Nachhaltigkeitsziele, beantragen Fördermittel über das Schülerparlament und präsentieren ihre Ergebnisse in Schulversammlungen. Beim Projekt „Ein Paradies für die Artenvielfalt“ haben die „Naturdetektive“ das Schulgelände kartiert und mit Wildstauden, Totholzhecke und Wasserstelle aufgewertet; QR-Codes an den Pflanzen führen zu digitalen Steckbriefen. Die Schule arbeitet eng mit Partnern wie dem Haus am Strom, der Umweltakademie Vilshofen, dem Biodiversitätsberater des Landkreises, der Gemeinde Büchlberg, dem BRK Hauzenberg, der Tafel Hutthurm und der Ökomodellregion Ilzer Oberland zusammen.
„Eine kleine Grundschule auf dem Land kann Großes leisten, wenn sie den Mut hat, Kinder ernst zu nehmen als Mitgestalter ihrer Welt“, würdigte Tobias Hofbauer, stv. Vorstandsmitglied der Sparkasse Passau die Grundschule Büchlberg in seiner Laudatio.
Mittelschule St. Georg Vilshofen: Wertschätzen statt wegwerfen
Die Mittelschule St. Georg Vilshofen überzeugte mit drei Projekten, die Ressourcenschonung, Ernährung und Naturerfahrung miteinander verbinden. Beim Frühlingsfest sammelten die Klassen 5b, 6c und 6d gemeinsam mit der Schulfamilie Bücher, Kleidung, Spielzeug und Schulsachen und gaben ihnen beiFlohmarkt, Kleiderkreisel und Büchertauschbörse eine zweite Nutzung; der Erlös fließt in weitere Schulprojekte. Beim bereits zum dritten Mal durchgeführten Aktionstag zu nachhaltiger Ernährung und Klimawandel beschäftigten sich die fünften und sechsten Klassen mit Lebensmittelverschwendung, Ernährungspyramide und der Herkunft von Obst und Gemüse – geplant und gestaltet von Lehrkräften gemeinsam mit Studierendenteams. Seit dem Schuljahr 2021/2022 wächst zudem der Bibelgarten der neutestamentlichen Gleichnisse, den die Schülerinnen und Schüler selbst gestalten und pflegen. Weinstöcke, Feigenbäume und Kräuter machen religiöse Inhalte erfahrbar, Wildblumenflächen schaffen Lebensräume für Insekten. Partner sind unter anderem der Eine Welt Kreis Vilshofen und die Universität Passau.
„Ihre Projekte verbindet eine Haltung: Wertschätzen statt wegwerfen. Verstehen statt nur wissen. Gestalten statt nur zuschauen“, resümierte Anja Wagner-Hölzl, Schulamtsdirektorin des Bistums, in ihrer Laudatio.
Großer Dank an die Förderer
Die Staatlichen Schulämter in der Stadt und im Landkreis Passau und der Verein „BNE macht Schule. Gemeinsam. Veränderung. Lernen. e.V.“ danken dem Bistum Passau und der Sparkasse Passau für die großzügige Unterstützung, die die Preisgelder ermöglicht. Die ausgezeichneten Schulen setzen das Geld für die Weiterentwicklung ihrer BNE-Aktivitäten ein.
Foto: Benedikt Pfisterer
